In der Region Lüneburg arbeiten 17.000 Menschen regelmäßig sonntags

Gastgewerbe: NGG gegen längere Arbeitszeiten

Der nächtliche Dienst am Tresen gehört im Gastgewerbe dazu. Eine weitere Aufweichung der Arbeitszeitregeln, wie von den Arbeitgebern gefordert, lehnt die NGG jedoch strikt ab.

13 Stunden täglich arbeiten an bis zu sechs Tagen pro Woche? Wenn es nach dem Willen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) geht, könnte das zum Beispiel im Landkreis Lüneburg für rund 4.300 Beschäftigte der Branche bald Alltag werden. Im Kreis Uelzen gi das für rund 1.900 Beschäftigte, Lüchow-Dannenberg 1.000, Kreis Harburg 4.000, Heidekreis 4.800, Kreis Verden 2.800 und Rotenburg/Wümme für rund 4.400 Beschäftigte. Davor warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Schon heute arbeiten in der gesamten Lüneburger Region rund 17.000 Menschen an Sonntagen – 9.000 sogar nachts. Und 24.000 Beschäftigte sind zwischen 18 und 23 Uhr im Job aktiv. Das geht aus dem aktuellen Mikrozensus hervor.

„Die Zahlen zeigen, dass Arbeitszeitgesetz und Tarifverträge den Arbeitnehmern bereits jetzt eine hohe Flexibilität abverlangen. Den Betrieben geben sie die Freiheit, ihre Beschäftigten weitgehend so einzusetzen, wie sie es brauchen“, sagt Steffen Lübbert. Der NGG-Geschäftsführer hält jede Aufweichung dieser Regeln für unnötig. Insbesondere der Einführung einer wöchentlichen statt einer täglichen Höchstarbeitszeit müsse eine klare Absage erteilt werden, so Lübbert. Dies sei ein Angriff auf Tausende Beschäftigte in der Region – besonders im Gastgewerbe.

Dort gehörten lange Arbeitszeiten an jedem Tag der Woche schon immer zum Beruf. So gaben bei der Befragung durch den Mikrozensus rund 30.000 Beschäftigte in niedersächsischen Hotels, Gaststätten und Pensionen an, regelmäßig nach 18 Uhr zu arbeiten. 40.000 arbeiten demnach häufig an Samstagen, 35.000 an Sonntagen. Lübbert: „Die Behauptung des Dehoga, ein zu strenges Arbeitszeitgesetz belaste die Branche über alle Maßen, ist nicht zu halten. Wenn zum Beispiel eine Hochzeit länger dauert als geplant, dann schieben Küchen-Team und Kellner Überstunden, statt einfach nach Hause zu gehen. Und diese Überstunden werden dann noch nicht einmal immer bezahlt.“

 Harte Arbeitsbedingungen in der Gastronomie und Beherbergung führten schon heute zu großen Problemen, noch Fachkräfte zu finden, betont der Gewerkschafter. In einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage stellt auch die Bundesregierung fest: „Die Zahl der Auszubildenden im Hotel- und Gaststättengewerbe hält nicht mit dem Bedarf an Fachkräften Schritt“ (Deutscher Bundestag, Drucksache 18/11735). Danach bildet in Niedersachsen nur noch jeder zehnte Gastro-Betrieb aus.

 „Die Arbeitgeber sollten wieder auf bessere Ausbildung setzen und einen wirklichen Richtungswechsel hin zu besseren Arbeitsbedingungen einleiten. Dazu zählen die Stärkung der Tarifverträge und damit deutliche Einkommenszuwächse, aber genauso gesunde Arbeitszeiten“, so Lübbert weiter. Das Gastgewerbe sei dazu in der Lage, eine „Qualitätsoffensive“ zu machen. Am Geld jedenfalls, so die NGG Lüneburg, sollte es nicht hapern. Der Jahresumsatz der Branche ist nach Angaben des Dehoga zum siebten Mal in Folge auf zuletzt bundesweit 81 Milliarden Euro gestiegen.

Es ist Zeit für den Urlaubsgeld-Check!

Minijobber und Azubis gehen häufig leer aus

Augen auf beim Urlaubsgeld

Die Fahrt in den Urlaub ist für viele Geringverdiener nicht drin – besonders, wenn der Chef kein Urlaubsgeld zahlt. Die NGG Lüneburg rät Beschäftigten, ihren Anspruch auf die Extra-Zahlung genau zu prüfen. Besonders Minijobber und Teilzeit-Kräfte gingen oft leer aus, so die Gewerkschaft.

Augen auf beim Urlaubsgeld: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) rät den Beschäftigten, sich von ihrem Chef nicht um die Extra-Zahlung bringen zu lassen. Zwar gebe es keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Urlaubsgeld, erklärt Geschäftsführer Steffen Lübbert: „Aber im Hotel- und Gastgewerbe oder der Lebensmittelindustrie hat die Gewerkschaft die Sonderzahlung nach einjähriger Betriebszugehörigkeit durch Tarifverträge fest geregelt.“

Die NGG Lüneburg kritisiert, dass trotzdem Tausende Beschäftigte in der Region beim Urlaubsgeld leer ausgehen. „Und zwar vor allem diejenigen, die jeden zusätzlichen Euro besonders gut gebrauchen können – Azubis, Minijobber und Teilzeit-Kräfte“, so Lübbert. Sie sollten daher ganz genau hinschauen: Wenn den Vollzeit-Beschäftigten im Betrieb ein Urlaubsgeld gezahlt wird, müssen auch 450-Euro- und Teilzeit-Jobber ein solches bekommen. Dieses wird je nach Arbeitszeit anteilig gezahlt, so die NGG. Auch in vielen Ausbildungsverträgen könne ein Urlaubsgeld klar geregelt sein. Lübbert rät: „Wer Fragen hat, sollte sich an seine Gewerkschaft wenden.“

Nach einer Online-Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung erhalten bundesweit 42,6 Prozent der Beschäftigten von ihrem Arbeitgeber ein Urlaubsgeld. Klar im Vorteil sind demnach Beschäftigte, die in einem Betrieb mit Tarifvertrag arbeiten. Von ihnen bekommen 60,4 Prozent die Sonderzahlung. In Betrieben ohne Tarifbindung sind es dagegen nur 36,9 Prozent.

Große Einkommensunterschiede!

Beschäftigte mit Tarifvertrag verdienen im Schnitt sechs Euro mehr pro Stunde

Lockruf – diesmal nicht zum Tresen, sondern zum besseren Lohn: Hotelfachangestellte verdienen im Durchschnitt 21 Prozent mehr, wenn sie nach Tarif bezahlt werden. Darauf weist die NGG hin. Die Gewerkschaft setzt sich im Wahljahr für eine stärkere Tarifbindung ein. Foto (alle Rechte frei): NGG / Tobias Seifert

Fast sechs Euro pro Stunde – so groß ist der statistische Unterschied bei der Bezahlung zwischen Betrieben mit und ohne Tarifvertrag. Im Bereich der NGG-Region Lüneburg macht das je nach Betrieb und Branche für einen Großteil der Beschäftigten ein Einkommensgefälle von monatlich mehreren Hundert Euro aus. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hingewiesen. „In tarifgebundenen Unternehmen verdienen Beschäftigte in Niedersachsen laut Statistischem Landesamt im Schnitt 17,32 Euro pro Stunde. In Betrieben ohne Tarifbindung sind es nur 11,59 Euro“, so Steffen Lübbert.

Der Geschäftsführer der NGG Lüneburg kritisiert die zunehmende „Tarifflucht“ vieler Unternehmen. Bundesweit verdienten lediglich 57 Prozent aller Arbeitnehmer nach Tarif. Die Quote sinke seit Jahren. „Auch im Landkreis haben wir viele Arbeitgeber, die sich um Branchenverträge drücken“, kritisiert Lübbert. Die NGG macht sich deshalb für Flächentarifverträge stark. Solche habe man etwa in der Milchwirtschaft, im Bäckerhandwerk und in der Nährmittel- und Süßwarenindustrie durchgesetzt. In den Branchen der NGG erhielten Beschäftigte mit Tarifvertrag zwischen 2010 und 2016 Lohn- und Gehaltssteigerungen von insgesamt 18,6 Prozent (inflationsbereinigt zehn Prozent), so die Gewerkschaft.

Ein Tarifvertrag bedeute nicht nur höhere Bezahlung mit mehr Weihnachtsgeld oder mehr Urlaubstagen, sagt Lübbert. Er sorge auch für bessere Arbeitsbedingungen, eine höhere Zufriedenheit bei den Mitarbeitern und ein gutes Betriebsklima, so eine Untersuchung des WSI-Tarifarchivs. „Das muss auch im Sinn der Unternehmen sein. Firmen, die nach Tarif zahlen, finden leichter Fachkräfte. Außerdem verhindern Tarifverträge einen Preiskampf nach unten und schieben der Schmutz-Konkurrenz einen Riegel vor.“

Nach Angaben der NGG seien die Unterschiede bei der Bezahlung besonders im Gastgewerbe immens. So bekommen Hotelfachleute, die nach Tarif bezahlt werden, etwa 21 Prozent mehr als ihre Kollegen ohne Tarifvertrag. Das ergab eine Umfrage der Plattform lohnspiegel.de. Demnach profitieren gerade Frauen: Sie haben für alle Branchen im Schnitt 9,2 Prozent mehr in der Tasche, wenn ihr Betrieb sie tariflich bezahlt.

Die NGG fordert die Landes- und Bundespolitik auf, sich für eine stärkere Tarifbindung einzusetzen: „Wer sich um die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft sorgt, muss sich auch darum kümmern, dass die Sozialpartner gestärkt werden“, betont Lübbert. Für Unternehmen, die im Arbeitgeberverband seien, sollte es selbstverständlich sein, Tarifverträge anzuwenden.

 Höhere Einkommen tragen auch dazu bei, die Renten-, Kranken- und Sozialversicherung zu stärken. Lübbert: „Hunderte Tarifverträge allein in Niedersachsen zeigen, wie gute Arbeit und faire Bezahlung aussehen – eine Win-win-Situation für die Beschäftigten und für die Wirtschaft.“

Bis zu 26 Prozent mehr Teilzeit-Jobs seit 2012 im Bereich der NGG-Region Lüneburg

NGG will Rückkehrrecht in Vollzeit | Gesetz noch vor Sommer möglich

Foto (alle Rechte frei): NGG / Tobias Seifert

Mehr Zeit für die Familie – diese Möglichkeit bietet eine Teilzeit-Stelle. Oft wird der Halbtagsjob aber zur Falle, wenn Beschäftigten der Wunsch verwehrt bleibt, wieder mehr zu arbeiten. Das kritisiert die Gewerkschaft NGG und fordert einen gesetzlichen Anspruch auf die Rückkehr in Vollzeit.

Immer mehr Beschäftigte im Bereich der NGG-Region Lüneburg haben derzeit eine Teilzeit-Stelle. Im Vergleich zu 2012 ist das z.B. eine Steigerung von 26 % im Kreis Harburg, + 21 % im Kreis Lüchow-Dannenberg, + 18% im Kreis Rotenburg/Wümme, + 17% im Kreis Uelzen und Kreis Lüneburg, + 16% im Kreis Verden und 16% im Heidekreis. Die NGG beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Zum Vergleich: Im selben Zeitraum stieg die Zahl aller sozialversicherungspflichtigen Jobs im Kreis um neun Prozent. Vor dem Hintergrund der Debatte um prekäre Arbeit fordert die Gewerkschaft ein verbrieftes Rückkehrrecht auf Vollzeit.

„Die Zunahme der Teilzeit ist beunruhigend“, sagt Steffen Lübbert von der NGG Lüneburg. 20- oder 30-Stunden-Jobs würden immer mehr zur Regel – und häufig zur Falle. „Gerade Frauen bleibt der Wunsch, nach einer Elternzeit individuell ihre Stunden zu erhöhen und in Vollzeit zurückzukehren, oft verwehrt“, so der Gewerkschafter. Dies erschwere nicht nur die Karriere, sondern sorge auch für niedrige Renten. Dieses Problem nehme immer größere Ausmaße an: So arbeiten laut BA aktuell 53 Prozent aller berufstätigen Frauen im Kreis Verden in Teilzeit.

„Viele von ihnen wollen mehr arbeiten, worin auch ein riesiges Potential für den heimischen Arbeitsmarkt liegt“, betont Lübbert. Diese Chance dürfe man in Zeiten des Fachkräftemangels nicht einfach verschenken. Doch auch Männer, die für mehr Zeit mit der Familie die Arbeitszeit reduzieren und später wieder erhöhen wollten, bekämen dazu oft keine Chance. Auch ihnen bringe ein Rückkehrrecht auf Vollzeit spürbare Entlastung.

Entsprechende Gesetzespläne des Bundesarbeitsministeriums waren im Koalitionsausschuss zuletzt am Widerstand der Union gescheitert, obwohl das Vorhaben im Koalitionsvertrag vereinbart worden war. Die NGG fordert die Regierungsparteien nun auf, mit ihrem Versprechen ernst zu machen und das Gesetz vor der Sommerpause zu verabschieden. Tausende Berufstätige in der Region würden davon profitieren, so die NGG Lüneburg.

„Teilzeit-Beschäftigte stehen nicht nur mit geringerem Einkommen und schlechterer Absicherung bei Rente und Arbeitslosigkeit da“, so Lübbert weiter. „Sie haben auch bei der Karriere das Nachsehen.“ Dabei sollten gerade jungen Müttern und Vätern nach einer Auszeit dieselben Möglichkeiten offenstehen wie allen anderen Beschäftigten. Gleiches gelte für Menschen, die sich beruflich weiterbilden oder ehrenamtlich engagieren.

„Wer später in Vollzeit zurück will, muss darauf einen festen Anspruch haben.“ Die Wahl der Arbeitszeit solle eine individuelle Entscheidung sein. Mit Blick auf die Digitalisierung der Arbeitswelt sei dies wichtiger denn je. Lübbert: „Die Arbeitgeber sprechen gern von Flexibilität und meinen damit Mehrbelastung für die Beschäftigten. Aus Sicht der Arbeitnehmer heißt Flexibilität aber auch, je nach Lebensabschnitt entscheiden zu können, mehr oder weniger zu arbeiten.“

Zum Internationalen Frauentag | NGG fordert Lohngerechtigkeit

Im Kreis Lüneburg 82 Prozent aller Teilzeit-Jobs in Frauenhand

Mit oder ohne – dieser kleine Unterschied macht sich noch immer im Portemonnaie bemerkbar. Zum Internationalen Frauentag fordert die Gewerkschaft NGG die Politik auf, ein Recht auf gleiche Bezahlung für gleiche Tätigkeiten zu garantieren – egal für welches Geschlecht.

Im Kreis Lüneburg 82 Prozent aller Teilzeit-Jobs in Frauenhand

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Davon ist ein Großteil der arbeitenden Frauen im Landkreis Lüneburg  weit entfernt. In den Nachbarlandkreisen liegt der Anteil zwischen 83 % und 87 %. Zum Internationalen Frauentag am 8. März fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), mehr für die Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu tun. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verdienen Frauen im Schnitt für dieselbe Tätigkeit noch immer sieben Prozent weniger als Männer – andere Faktoren wie niedrigere Arbeitszeiten nicht mitgerechnet. Nach Einschätzung von Gewerkschaftssekretärin Manuela Schäffer ist dieser reine „Gender Pay Gap“ in vielen Branchen im Kreis Lüneburg sogar noch deutlich größer.

„Frauen bekommen aber nicht nur einen geringeren Stundenlohn. Sie arbeiten auch noch überdurchschnittlich oft in prekären Jobs“, betont Schäffer. So waren nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung zuletzt 82 Prozent aller Teilzeit-Beschäftigten im Landkreis weiblich. Und auch bei den Minijobs ist der Frauenanteil dort mit 62 Prozent hoch. Schäffer: „Die Folgen davon bekommen viele Frauen spätestens im Rentenalter zu spüren. Wegen niedriger Einkünfte und Unterbrechungen im Erwerbsleben sind weibliche Beschäftigte besonders oft von Armutsrenten betroffen und dann auf Stütze vom Staat angewiesen. Aber auch bei Arbeitslosigkeit oder nach einer Scheidung steht ein Großteil der Frauen mit leeren Händen da.“ Das Modell des männlichen Hauptverdieners sei weiterhin stark verbreitet – und damit die finanzielle Abhängigkeit der Frauen. Diese tragen laut einer neuen OECD-Untersuchung in Deutschland gerade einmal 22,4 Prozent zum Familieneinkommen bei.

Die NGG Lüneburg sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Politik. „Das geplante Gesetz zur Lohngerechtigkeit ist dabei ein erster wichtiger Schritt“, sagt Schäffer. Allerdings soll nach dem Gesetz der individuelle Anspruch darauf zu erfahren, was der Rest der Belegschaft verdient, auf Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten beschränkt bleiben. „Für den Großteil der Hotels, Gaststätten oder Bäckereien im Kreis Lüneburg greift das Gesetz damit zu kurz“, so die Gewerkschafterin. Nötig sei stattdessen ein verbrieftes Recht auf die gleiche Bezahlung für die gleiche Tätigkeit.

Im vergangenen Jahr hat die NGG darum die „Initiative Lohngerechtigkeit“ gestartet. Unter dem Motto „Was uns zusteht“ prüft die Gewerkschaft bundesweit 3.500 Tarifverträge auf Diskriminierung bei Lohn und Gehalt. Mit dem Ergebnis, so Schäffer, werde man die Politik konfrontieren: „Denn Mann oder Frau – dieser Unterscheid darf in einer modernen Arbeitswelt keine Rolle mehr spielen.“

Intern

2 Jahre Mindestlohn:

Mehr Gastro-Jobs in der NGG-Region Lüneburg

Der „8,84-Euro-Zehner“ – als neuer „Mindestlohn-Schein“: Der unterste Lohnsockel liegt jetzt bei 8,84 Euro pro Stunde. Geht es nach dem Willen der Gewerkschaft NGG, dann soll der gesetzliche Mindestlohn aber schon bald auf 10 Euro steigen.

Unter 8,84 Euro geht nichts mehr – „Januar-Lohn-Check“ lohnt sich

Keine „Null-Tarif-Überstunden“: NGG warnt vor Lohn-Tricksereien durch Chefs

Ein „Cent-Lohn-Plus“ quer durch alle Jobs und Branchen, das einer Vollzeitkraft unterm Strich aber weit über 50 Euro pro Monat bringt. Egal, ob Küchenhilfe oder Verkäuferin im Backshop: Wer im Landkreis Lüneburg vom Chef nur den gesetzlichen Mindestlohn bekommt, verdient im Januar mehr Geld – und zwar 34 Cent pro Stunde. „Genau zwei Jahre gibt es den gesetzlichen Mindestlohn. Und jetzt ist er zum ersten Mal geklettert – auf 8,84 Euro“, sagt Steffen Lübbert von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Die NGG Lüneburg ruft alle Mindestlohn-Beschäftigten im Landkreis auf, einen „Januar-Lohn-Check“ zu machen. „Sobald die Lohnabrechnung vorliegt, sollte jeder seinen Stundenlohn bis auf den letzten Cent nachrechnen. Die tatsächlich geleisteten Stunden und das Geld müssen dabei am Ende passen“, so Lübbert. Der NGG-Geschäftsführer warnt zudem vor „Lohn-Tricksereien durch die Hintertür“: „Es ist eine beliebte Chef-Masche, die Menschen länger arbeiten zu lassen, die Überstunden dabei aber nicht zu bezahlen. Das ist illegal.“

Vom „Schreckgespenst Mindestlohn“ spricht keiner mehr, so die NGG Lüneburg. „Auch Arbeitgeber, die vor dem gesetzlichen Mindestlohn als ‚Job-Killer‘ und ‚Konjunktur-Bremse‘ gewarnt haben, sind in der Realität angekommen und kleinlaut geworden. Der absolute ‚Pflichtlohn für den Chef‘ ist auch von den Arbeitgebern akzeptiert. Mehr noch: Er hat sich bewährt und dazu beigetragen, die ruinöse Dumpinglohnspirale nach unten zu stoppen“, sagt Steffen Lübbert.

Als Zwei-Jahres-Bilanz zum Mindestlohn hat die NGG jetzt eine Beschäftigungsanalyse vorgelegt. Dazu hat das Pestel-Institut in Hannover Arbeitsmarktdaten der Bundesagentur für Arbeit im Auftrag der Gewerkschaft untersucht. Im Fokus dabei steht auch die Job-Entwicklung im Kreis Lüneburg. Ein Ergebnis: Seit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns sind mehr reguläre Arbeitsplätze entstanden. Schon Mitte vergangenen Jahres waren im Kreis rund 54.700 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt – gut drei Prozent mehr als zwei Jahre zuvor, als es den gesetzlichen Mindestlohn noch nicht gab. Gerade Lüneburger Hotels, Pensionen, Restaurants und Gaststätten haben in der Mindestlohn-Phase mehr Personal eingestellt: Hier arbeiteten vor einem halben Jahr rund 2.270 Menschen in einem sozialversicherungspflichtigen Job. Im Vergleich zu 2014 macht das ein Plus von gut 7 % (Heidekreis + 4,6 %, Landkreise Harburg + 7 %, Lüchow-Dannenberg + 8,4 %, Rotenburg/Wümme + 8,3 %, Uelzen + 2,3 % und Verden + 4,3 %).

 

Die NGG Lüneburg hatte sich für den gesetzlichen Mindestlohn stark gemacht. Der Gewerkschaft ging es dabei insbesondere auch um die Situation der Frauen. „Denn viele von ihnen wurden mit Niedrigstlöhnen abgespeist. Jetzt profitieren gerade sie von einem steigenden Mindestlohn“, sagt Steffen Lübbert. So seien im Landkreis derzeit rund 50 Frauen weniger arbeitslos gemeldet als bei der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns vor zwei Jahren. Doch für Lübbert ist beim Mindestlohn noch "deutlich Luft nach oben". Der NGG-Geschäftsführer spricht sich für eine rasche Anhebung des untersten Lohnsockels aus: "Wir müssen Richtung 10 Euro pro Stunde - und dann weiter. Da werden wir dranbleiben. Denn alles unter einem Stundenlohn von 11,50 Euro ist Niedriglohnbereich. Und der bedeutet später Altersarmut.

 

Wechsel an der Gewerkschaftsspitze zwischen Elbe und Weser

Staffel-Übergabe bei der NGG Lüneburg: Neuer Geschäftsführer für die Region

Schlüsselübergabe bei der NGG Lüneburg: Zum neuen Jahr übernimmt Steffen Lübbert die Geschäfte der Gewerkschaft in der Region. Vorgängerin Silke Kettner wechselt von der Ilmenau an die Alster und wird Geschäftsführerin in Hamburg.

Staffel-Übergabe bei der NGG: An der Spitze der ältesten Einzelgewerkschaft Deutschlands übernimmt Steffen Lübbert die Geschäfte in der Region. Er leitet künftig die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in Lüneburg. Der 38-Jährige tritt damit die Nachfolge von Silke Kettner an, die die Gewerkschaft in der Region bislang geführt hat. Steffen Lübbert will an die gute Mitgliederentwicklung und an Tarif-Erfolge anknüpfen.

„Ob in der Nahrungsmittelindustrie, im Bäckerhandwerk oder Gastgewerbe – die NGG ist in der Region stark verankert. Aber gerade bei den Löhnen und Arbeitszeiten bleibt in diesen Branchen noch viel zu tun. Die Beschäftigten erwarten, dass wir am Arbeitsplatz handfeste Verbesserungen für sie herausholen“, sagt Lübbert. Dafür werde er sich als neuer Geschäftsführer weiter stark machen.

Für Steffen Lübbert ist der Wechsel nach Lüneburg kein kalter Sprung ins Wasser: Über fünf Jahre lang hat er in Schleswig-Holstein für die Gewerkschaft Tarifverträge verhandelt und Betriebsräte beraten. Deshalb will er auch in Zukunft einen Schwerpunkt auf die Betriebs- und Tarifpolitik legen: „Gute Tarifverträge sind das Herzstück unserer Arbeit“, so Lübbert. Dabei komme es darauf an, den Trend, dass immer weniger Betriebe Tarifverträge einhalten, umzukehren.

Zur Gewerkschaft kam der gelernte Raumausstatter in seiner Zeit bei den britischen Stationierungsstreitkräften in der Südheide. „Für mich war klar, dass sich Löhne und Gehälter nur durch eine gut organisierte Belegschaft verbessern lassen.“ Bis zu seinem Wechsel von Schleswig an die Ilmenau hat der 38-Jährige einiges erreichet. So müssen in Industriebetrieben Zeiten für das Umkleiden zu Beginn und zu Ende einer Schicht bezahlt werden. Ebenso erreichte er, dass in allen sieben Kieler McDonald‘s Restaurants Betriebsräte gewählt wurden.

Lübberts Vorgängerin Silke Kettner wechselt als Geschäftsführerin nach Hamburg. „Nach sechs Jahren in Lüneburg übergebe ich eine gut aufgestellte NGG“, sagt die 41-Jährige. Dabei werde sie die Region sicher vermissen. Mit ihrem Nachfolger sei die NGG Lüneburg jedoch „in den besten Händen“. Die Beschäftigten könnten auf einen „starken Anwalt für ihre Belange“ zählen, so Kettner.

Nahrung, Genuss und Gaststätten– für Silke Kettner und Steffen Lübbert ist die Sache klar: „Wir stehen für eine faire Arbeitswelt, damit unser Essen und Trinken auch wirklich schmeckt. Und für den richtigen Genuss braucht es gute Arbeitsbedingungen.“

Tarifrunde Systemgastronomie | Gewerkschaft will „mehr als Mindestlohn“

NGG fordert Lohn-Plus für Beschäftigte bei McDonald’s & Co.

3,89 Euro kostet dieser Burger einer Fast-Food-Kette. Genau 27 Minuten muss ein Beschäftigter in der Systemgastronomie arbeiten, um sich diesen Burger leisten zu können. Die Gewerkschaft NGG fordert: "Schluss mit Niedriglöhnen bei Mc Donald´s, Burger King und Co."

M wie McDonald’s – M wie Mindestlohn? Beschäftigte der Restaurant-Kette können noch nicht darauf hoffen, ab Januar mehr als den gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde zu bekommen. Der Grund: Der Bundesverband der Systemgastronomie (BdS), zu dem auch Marken wie Burger King oder Nordsee gehören, sperrt sich in der laufenden Tarifrunde weiterhin gegen ein kräftigeres Lohn-Plus. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit. Die NGG Lüneburg spricht bei den bisherigen Lohn-Angeboten von einer „Rolle rückwärts“. Die Beschäftigten hätten mehr verdient als den Mindestlohn. Sollten die Arbeitgeber nicht spürbar nachlegen, werde es einen „heißen Advent“ geben, so die Gewerkschaft. Geplant seien betriebliche Aktionen und Demonstrationen in verschiedenen Städten.

Bundesweit zählen die im BdS zusammengeschlossenen Franchise-Unternehmen mehr als 100.000 Beschäftigte in 2.700 Restaurants und Cafés. Von einem neuen Tarifvertrag würden neben den Mitarbeitern der beiden großen Fastfood-Ketten McDonald’s und Burger King auch Beschäftigte bei Starbucks, KFC, Vapiano und Tank & Rast profitieren. Für sie hatten die Arbeitgeber zuletzt einen Stundenlohn von 8,84 Euro in der ersten und 8,89 Euro in der zweiten Lohngruppe geboten, berichtet Manuela Schäffer von der NGG Lüneburg. „Das ist ein Schlag ins Gesicht aller heimischen Beschäftigten. Denn schon per Gesetz würden sie letztlich dasselbe verdienen.“

Die NGG fordert ein Lohn-Plus von mindestens sechs Prozent. Die unterste Lohngruppe soll überproportional angehoben werden – „damit eine Neun vor dem Komma steht“, so Schäffer. Außerdem sollen die Ausbildungsvergütungen auf 800 Euro im ersten, 900 Euro im zweiten und 1.000 Euro im dritten Lehrjahr steigen. Schäffer: „Ob beim Burger-Braten, an der Verkaufstheke oder im Kaffee-Ausschank – die Mitarbeiter der Franchise-Ketten versorgen jede Woche Tausende Kunden. Und das oft unter enormem Zeitdruck.“ Statt auf Niedriglöhne zu setzen, sollten McDonald’s und Co. ihren Mitarbeitern bei der Bezahlung mehr Anerkennung zeigen. Denn ohne sie sei der Erfolg der „Global Player“ undenkbar.

„Manche Firmen klagen zwar über mehr Konkurrenz und Rückgänge bei den Gastzahlen. Im gleichen Atemzug geben sie aber auch zu, dass sie das durch höhere Preise wieder ausgeglichen haben“, sagt Schäffer. Für die NGG steht fest: „Die Beschäftigten müssen sich von ihrer Arbeit auch die Produkte leisten können, die sie Tag für Tag verkaufen“. Dafür müsse die Systemgastronomie endlich aus dem Niedriglohnbereich herauskommen.

NGG rät Beschäftigten, Anspruch zu prüfen

FAQ zur Arbeitskleidung – wann der Chef fürs Umziehen zahlen muss

Die Gewerkschaft rät den Beschäftigten gerade in der Lebensemittelproduktion ihren Anspruch auf bezahlten Umziehzeit zu prüfen!

Ein Bäcker ist kein Model – muss sich aber mindestens zwei Mal am Tag umziehen. Von der Bäckerkluft bis zu Sicherheitsschuhen gilt dabei: Beschäftigte, die eine Arbeitskleidung tragen müssen, können Umkleide-Zeiten als Arbeitszeit bezahlt bekommen. Voraussetzung hierfür ist, dass der Arbeitgeber die Kleidung vorschreibt und das Umziehen im Betrieb erfolgen muss.

„Das Tragen einer Arbeitskleidung ist keine Privatsache. Ob im Schnellrestaurant, in der Backstube oder in der Lebensmittelfabrik – in vielen Branchen muss der Chef die Zeit fürs Umziehen vergüten“, sagt Silke Kettner von der NGG Lüneburg. Viele Arbeitgeber wollten davon aber nichts wissen. Dabei habe das Bundesarbeitsgericht (BAG) in den letzten Jahren die bezahlten Umzieh-Zeiten mehrfach klargestellt (Az. 5 AZR 678/11 und Az. 1 ABR 54/08).

„Das Umziehen macht oft bis zu 20 Minuten am Tag aus. Hier legen die Beschäftigten teils mehr als anderthalb Stunden pro Woche oben drauf, wenn der Chef mauert und nichts zahlt“, betont Kettner. Es komme jedoch immer auf den Einzelfall an. Der individuelle Anspruch richte sich nach Art der Kleidung und des Betriebs. Häufig sei eine Pauschale für die Umkleide-Zeit per Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung geregelt. Die NGG rät: Wer sichergehen will, was ihm zusteht, sollte sich an die Gewerkschaft vor Ort wenden.

„In der Ernährungsindustrie ist die Sache relativ klar. Hier können die Beschäftigten allein schon aus hygienischen Gründen nicht in Arbeitskleidung in die Fabrik fahren. Aber das Umziehen muss zur bezahlten Arbeitszeit zählen“, so Silke Kettner. Ähnlich sehe es im Bäckerhandwerk aus: „Ein Bäcker kann sich mit seiner weißen Kluft schlecht morgens in den Bus setzen. Aber auch Mitarbeiter von Schnellrestaurants wie McDonald’s oder Burger King müssen sich am Arbeitsort umziehen – und dafür vergütet werden.“ Schließlich wolle niemand Pommes essen, wenn sich der, der sie zubereitet, vorher einen Virus in der Bahn eingefangen hat.

Genauer hingucken sollten auch Beschäftigte im Gastgewerbe, so die NGG Lüneburg. „Während Kellner meist problemlos schon in Arbeitskleidung ins Lokal kommen können, geht das bei Köchen nicht. Sie müssen sich im Betrieb umziehen“, berichtet Kettner. Der Arbeitgeber komme lediglich für die Reinigung der Kleidung auf. Auch wenn Köche ihre eigene Kluft stellten, hätten sie trotzdem Anspruch auf bezahlte Umzieh-Zeiten. Aus Angst vor Ärger mit dem Chef scheuten die meisten aber vor einer Klage zurück. „In solchen Fällen kann die NGG helfen. Denn Gewerkschaftsmitglieder haben Anspruch auf juristischen Schutz“, so Kettner.

 

Gesetz zu Leiharbeit und Werkverträgen

83.500 Leiharbeiter in Niedersachsen – NGG will gleiches Geld für gleiche Arbeit

Ein Knopfdruck - zwei Löhne!

 Immer mehr „Jobs zweiter Klasse“: Die Zahl der Leiharbeiter in Niedersachsen hat stark zugenommen. Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben der Arbeitsagentur in Niedersachsen rund 83.500 Beschäftigte in Leiharbeit – zehn Jahre zuvor waren es lediglich 33.000. Das macht eine Zunahme von über 150 Prozent, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt.

 

Im Landkreis Lüneburg gab es z.B. im vergangenen Jahr 1.515 Leiharbeiter. Zehn Jahre zuvor waren es 1.009. Das macht eine Zunahme von über 50 Prozent. Im Heidekreis stieg die Anzahl der Leiharbeitnehmer um 179 % und im Landkreis Verden um ca. 100 %.

 Die NGG Lüneburg spricht von einer alarmierenden Tendenz – und fordert die Politik zum schnellen Handeln auf. Die zuständigen Bundestagsabgeordneten aus den Landkreisen könnten in Berlin einen Beitrag leisten, sagt NGG Gewerkschaftssekretärin Manuela Schäffer.

 „Gerade berät der Bundestag über ein Gesetz gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen. Die Zahlen zeigen, dass wir eine Regelung dringender brauchen denn je“, so Schäffer. Allerdings müsse am Gesetz noch deutlich nachgebessert werden, um den „Wildwuchs im heimischen Arbeitsmarkt“ wirklich zu bekämpfen.

Bei der Leiharbeit werden Beschäftigte an einen Betrieb verliehen, wo sie dann für den gleichen Job weniger Geld bekommen als das Stammpersonal. Ursprünglich sollte das einmal auf Auftragsspitzen bei den Unternehmen beschränkt sein – „häufig nutzen Chefs das aber zur dauerhaften Lohn-Drückerei“, sagt Manuela Schäffer. Und die Leiharbeiter bekämen meist keine Chance, ins Stammpersonal aufzurücken. „Auch in der niedersächsischen Lebensmittelindustrie wird Leiharbeit zum Problem. Und mit dem Missbrauch von Werkverträgen haben wir es besonders in der Fleischverarbeitung zu tun. Dabei sind Leiharbeiter – genauso wie Werkvertragsbeschäftigte – bei der Altersvorsorge und beim Urlaub schlechter gestellt als die Stammbelegschaft“, kritisiert die Gewerkschafterin. Das neue Gesetz müsse dem Anstieg dieser „2.-Klasse-Jobs“ endlich einen Riegel vorschieben.

 

Der Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles sieht im Wesentlichen vor, dass Leiharbeiter spätestens nach neun Monaten in einem Betrieb die gleiche Bezahlung bekommen wie das Stammpersonal. Die Höchstverleihdauer soll auf 18 Monate begrenzt werden. Dies gelte jedoch, so Schäffer, „nur für Personen, nicht aber für die Arbeitsplätze. Damit können Leiharbeiter im Prinzip alle 18 Monate einfach ausgetauscht werden“. Auch Betriebsräte sollen nach dem geplanten Gesetz lediglich Informationsrechte bekommen, aber keine Mitbestimmungsrechte, bemängelt die NGG.

 „Trotz allem wäre das Gesetz ein erster Schritt“, betont Schäffer. „Deshalb darf es im Bundestag auch auf keinen Fall scheitern.“ Die heimischen Parlamentarier seien in der Pflicht, die Interessen der wachsenden Zahl an Leiharbeitern und Werkverträglern zu vertreten. Dafür müsse das Gesetz so scharf wie möglich formuliert sein, fordert die NGG Lüneburg.

 

 

NGG: „Azubi-Endspurt läuft“

Noch warten freie Ausbildungsplätze auf Bewerber!

Azubi-Endspurt läuft

Noch gibt es sie: freie Ausbildungsplätze...

Der „Azubi-Endspurt“ läuft: Noch sind 1394 Ausbildungsplätze in unserer Region unbesetzt. Umgekehrt registriert die Arbeitsagentur 1585 junge Menschen, die noch einen Ausbildungsbetrieb suchen, um in ihren Wunsch-Job starten zu können. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Die Nachwuchssuche gehe quer durch die Berufswelt. Einige Branchen müssten sich beim „Kampf um gute Köpfe“ allerdings etwas mehr anstrengen: Dazu gehöre das Bäckerhandwerk. Ebenso die Hotel- und Gastronomie-Branche. Rund um Backofen und Verkaufstresen in Bäckereien gebe es noch 86 offene Ausbildungsplätze im Gebiet der NGG-Region. Und auch die Gastro-Branche suche noch 139 Nachwuchskräfte.

Die NGG Lüneburg verwundert das nicht: „Jugendliche wissen, dass sie hier keine Standard-Arbeitszeit, keinen ‘Nine-to-Five-Job‘ bekommen. Die Brötchen werden nun mal früh gebacken. Und in der Gastronomie wird es abends spät. Es kommt deshalb darauf an, Jugendliche durch deutlich attraktivere Arbeitsbedingungen vom Bäckerhandwerk und von der Gastronomie zu überzeugen“, sagt NGG-Gewerkschaftssekretärin Manuela Schäffer. Die Gewerkschaft lasse hier nicht locker und trete mit Nachdruck für ein besseres Image der Branchen ein, das insbesondere durch höhere Löhne und attraktivere Regelungen bei der Arbeitszeit erreicht werden müsse.

Eine Ausbildung in der Lebensmittelindustrie ist eine „interessante Job-Nische“, so die NGG Lüneburg. „Vom Käse bis zur Marmelade, vom Keks und von der Schokolade bis zum Gemüse und Fleisch – das Spektrum der Ernährungsindustrie ist breit. Ebenso das Jobangebot. Die Lebensmittelherstellung bietet die Chance, eine Maschinenstraße zu steuern oder die Produktion im Labor zu überprüfen. Jugendliche, die ihren Traumjob noch nicht gefunden haben, sollten sich hier mal schlau machen“, sagt Schäffer. In der Genuss- und Lebensmittelherstellung gibt es im Kreis Lüneburg aktuell noch neun Ausbildungsplätze, die Betriebe bei der Arbeitsagentur als unbesetzte Lehrstellen gemeldet haben. „Das neue Ausbildungsjahr hat gerade erst begonnen. Noch ist es nicht zu spät, einen Ausbildungsvertrag zu unterschreiben …“, sagt NGG- Gewerkschaftssekretärin Schäffer.

 

Knapp 3.500 Bäckerei-Beschäftigte in unserer Region

Lohn-Plus in der Backstube: Bäcker in unserer Region verdienen mehr Brötchen

Bäckerei-Beschäftigte bekommen Lohn-Plus von bis zu 5,5%.

Lohn-Plus in der Backstube: In den Landkreisen unserer Region bekommen Bäckerei-Beschäftigte ab sofort mehr Geld. Ihre Löhne steigen ab diesem Monat um bis zu 5,5 Prozent. Das hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitgeteilt. „Ein Bäckergeselle mit Berufserfahrung verdient jetzt 13,09 Euro pro Stunde und hat damit am Monatsende gut 63 Euro mehr im Portemonnaie“, sagt Manuela Schäffer von der NGG Lüneburg. Wer als erfahrene Fachverkäuferin arbeite, bekomme nun einen um 60 Cent höheren Stundenlohn von 11,20 Euro. „Damit geht eine Vollzeitkraft am Bäckereitresen ab September mit knapp 98 Euro mehr nach Hause. Vorausgesetzt, ihr Betrieb gehört zum Bäcker-Innungsverband Niedersachsen/Bremen“, so NGG-Gewerkschaftssekretärin Schäffer. Insgesamt arbeiten in unserer Region knapp 3.500 Beschäftigte im Backgewerbe – von der Backstube bis zum Ladentresen.

 

„Das Lohn-Plus war ein Bohren dicker Bretter. Zwei Jahre lang mussten die Bäckerei-Beschäftigten auf ihre Lohnerhöhung warten. Der Tarifabschluss war längst überfällig“, so Manuela Schäffer. Entscheidend sei jetzt, dafür zu sorgen, dass das zusätzliche Geld auch tatsächlich bei den Beschäftigten ankomme. Die NGG Lüneburg setzt auf „Bäckerei-Visiten mit Lohn-Check“. Ein Großteil der Bäckereien in den Kreisen bekommt deshalb Besuch von der Gewerkschaft: „Damit sich keine Fachverkäuferin vom Chef einschüchtern oder über den Tisch ziehen lässt, informiert die NGG vor Ort und wirft dabei auch einen Blick auf den Lohnzettel“, sagt Manuela Schäffer. Wer sich über den neuen Tarif-Lohn informieren will, kann sich auch direkt per Telefon an die NGG Lüneburg wenden: 04131 / 4 21 46.

Bis zu 72 Prozent mehr Bezieher von Grundsicherung als vor zehn Jahren

NGG warnt vor steigender Altersarmut

Immer mehr Menschen im Rentenalter sind von Armut betroffen.

Immer mehr Rentner in unserer Region (Kreise Lüneburg, Uelzen, Heidekreis, Verden, Rotenburg/ Wümme, Harburg und Lüchow-Dannenberg) sind auf staatliche Unterstützung angewiesen:  9.936 Menschen erhielten im vergangenen Jahr Grundsicherung im Alter („Alters-Hartz-IV“) oder bei Erwerbsminderung – das sind bis zu 72 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Das geht aus neuen Zahlen des Statistischen Landesamtes Niedersachsen hervor, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt. Die NGG Lüneburg warnt vor einer weiteren Zunahme der Altersarmut und fordert eine Stärkung des gesetzlichen Rentenniveaus. Zudem dürften betriebliche Zusatzrenten nicht länger auf die Grundsicherung angerechnet werden.

„Innerhalb von zehn Jahren sind im Gebiet unserer NGG-Region 3.190 Menschen hinzugekommen, die ihre Rente beim Staat aufbessern müssen“, sagt NGG-Geschäftsführerin Silke Kettner. Es sei ein „sozialpolitisches Armutszeugnis“, wenn selbst immer mehr Menschen, die ein Leben lang gearbeitet hätten, der Gang zum Sozialamt nicht erspart bleibe. „Wir brauchen daher dringend Korrekturen bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Ohne ein höheres Rentenniveau werden gerade die jungen Beschäftigten später in Altersarmut geschickt“, warnt Kettner. Für sie laufe die Rente derzeit auf 43 Prozent ihres Einkommens hinaus, aber das sei „viel zu wenig“, so die Gewerkschafterin.

Gleichzeitig müsse auch die tarifliche Vorsorge ausgebaut werden. Das sei gemeinsame Aufgabe von Gewerkschaften und Arbeitgebern. „So hat die NGG in Niedersachsen für ihre Branchen Zusatzrenten vereinbart“, sagt Kettner. Zum Beispiel in der Ernährungsindustrie. In der Milchwirtschaft etwa zahle der Arbeitgeber 680 Euro pro Jahr in die tarifliche Altersvorsorge ein. In der Zuckerindustrie sind es 614 Euro.

„Aber das Ersparte landet nur dann im Portemonnaie auch von Geringverdienern, wenn die betriebliche Rente nicht länger auf die Grundsicherung im Alter angerechnet wird“, betont die Gewerkschafterin. Bislang werde Beschäftigten, die eine Betriebsrente und Anspruch auf Grundsicherung haben, ein Großteil der Zusatzrente wieder abgezogen. Das sei ein Missstand, den der Gesetzgeber unbedingt beheben müsse.

Hinzu komme: „Zu den wichtigsten Mitteln gegen Altersarmut gehören vor allem faire Löhne. Hier sind die Arbeitgeber im Kreis Lüneburg gefordert. Sie sollen sich an Tarifverträge halten, statt Löhne durch prekäre Jobs zu drücken“, so Kettner. Zudem müsse der gesetzliche Mindestlohn kräftig angehoben werden. Erst dann könne man Altersarmut auch im Niedriglohnbereich verhindern.

455.000 Beschäftigte in Niedersachsen arbeiten an Sonn- und Feiertagen

„Beschäftigte schützen“: NGG lehnt Angriff auf 8-Stunden-Tag ab

Lässt beim 8-Stunden-Tag nicht mit sich reden: Silke Kettner, Geschäftsführerin der NGG Lüneburg, kritisiert die Forderung der Arbeitgeber, Arbeitszeiten aufzuweichen.

Arbeitsplätze sollen „burnout-sicher“ sein: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat sich gegen eine Aufweichung des 8-Stunden-Tages ausgesprochen. „Wer häufig länger als acht Stunden arbeitet und auch in der Freizeit für den Chef erreichbar ist, der läuft Gefahr, durch den Job krank zu werden“, warnt Silke Kettner. Die Geschäftsführerin der NGG Lüneburg sieht zudem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bedroht, sollten die Arbeitszeiten immer weiter gelockert werden. Genau das hatten Arbeitgeberverbände gefordert.

 

„Für die heimischen Unternehmer gibt es schon heute viele Möglichkeiten, flexible Regelungen zu nutzen“, ist Kettner überzeugt. Zum Beispiel am Wochenende: So arbeiten nach Angaben des aktuellen Mikrozensus 455.000 Menschen in Niedersachsen regelmäßig an Sonn- und Feiertagen – das sind zwölf Prozent aller Beschäftigten. 270.000 Niedersachsen leisten zudem regelmäßig Nachtarbeit.

 

Besonders im Gastgewerbe und in der Ernährungsindustrie seien solche Arbeitszeiten gang und gäbe, berichtet die Gewerkschafterin: „Aus diesen Branchen haben wir aber auch besonders viele Klagen über Stress.“ Nacht-, Schicht- und Sonntagsarbeit gingen dauerhaft auf die Gesundheit und dürften nicht zum Normalfall werden. Kettner: „Schon jetzt trifft der Burnout im Job immer mehr Menschen. Obergrenzen bei der Arbeitszeit sind ein Garant dafür, dass Arbeitnehmer ihre Gesundheit nicht im Beruf lassen.“

 

Nicht umsonst gebe es den 8-Stunden-Tag. Der solle in der Regel am Stück geleistet werden – statt ein „Stunden-Puzzle“ daraus zu machen. „Wenn eine Service-Kraft in der Gastronomie ständig per Handy im Stand-by-Modus ist, dann verletzt das auch die Trennung von Beruf und Freizeit. Und die Digitalsierung in der Industrie führt dazu, dass die Arbeit immer häufiger nicht nur im Betrieb, sondern auch von zu Hause am PC oder per Smartphone erledigt werden muss“, sagt Silke Kettner. Flexible Regelungen dürften nicht einseitig auf Kosten der Beschäftigten gehen.

 

Erst vor kurzem hätten die Arbeitgeber gefordert, die Dokumentationspflicht bei den Arbeitszeiten zu lockern. „Die Abschaffung des 8-Stunden-Tages ist nun ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. Stattdessen brauchen wir eine bessere Qualifizierung für die Beschäftigten, um sie für digitale Technologien fit zu machen“, sagt Kettner. Hier stünden besonders die heimischen Betriebe in der Verantwortung.

NGG rät zu „mobilem Lohn-Check“ | Kontrolle nach Branchen möglich

Beschäftigte sollen Lohn überprüfen – per Mindestlohn-App

Vertrauen ist gut, Lohn-Check ist besser: Wer im Heidekreis für einen Niedriglohn arbeitet, der soll Entgelt und Arbeitszeit genau überprüfen, um festzustellen, ob er auch tatsächlich den Mindestlohn bekommt – und zwar per „Mindestlohn-App“. Dazu rät die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Mit dem ,Lohn-Tester‘ auf dem Smartphone können Beschäftigte ihre Arbeitszeit aufzeichnen und kontrollieren, ob der Chef tatsächlich den richtigen Stunden- und Monatslohn zahlt“, sagt Silke Kettner von der NGG Lüneburg.

 

Die kostenlose App erlaubt eine Kontrolle des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde. Ebenso den Check der verschiedenen Branchen-Mindestlöhne, die teils darüber liegen. „Die Mindestlohn-App bietet alle wichtigen Infos auf einen Blick. Und das mit einem Griff in die Hosentasche“, sagt Silke Kettner. Das Programm sei zudem äußerst einfach zu bedienen.

 

„Auch im Heidekreis gibt es noch immer schwarze Schafe unter den Arbeitgebern, die den Beschäftigten nicht das gesetzliche Minimum zahlen“, ist sich Kettner sicher. Die Beamten des Zolls kämen mit den Mindestlohn-Kontrollen kaum hinterher. Mit der Mindestlohn-App hätten die Arbeitnehmer nun ein wichtiges Werkzeug in der Hand, so die NGG-Geschäftsführerin. „Damit kann jeder selbst prüfen, ob er wirklich auch das bekommt, was er verdient.“

 

Weitere Infos zur Mindestlohn-App von NGG und Verdi gibt es im Netz unter: www.initiative-mindestlohn.de. Die App zum kostenlosen Download gibt es im Play Store (Google) oder App Store (Apple).

Gesetzentwurf zu Leiharbeit und Werkverträgen: NGG fordert Nachbesserungen

Leiharbeiter sollen nicht länger „Beschäftigte 2. Klasse“ sein

Schauplatz Ernährungsindustrie: In der Branche gehören Leiharbeit und Werkverträge zum Alltag. Aber dauerhafte „2. Klasse-Jobs“ sollen durch ein Gesetz bald ein Ende haben, fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Leiharbeiter und Beschäftigte mit einem Werkvertrag sollen besser gestellt werden. Das fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Der Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles zur Begrenzung von Leiharbeit und Werkverträgen sei zwar ein „Schritt in die richtige Richtung“, sagt Silke Kettner. Die Geschäftsführerin der NGG Lüneburg gehen die geplanten Änderungen aber nicht weit genug: „Die Politik muss endlich dafür sorgen, dass heimische Stammbelegschaften nicht dauerhaft durch Beschäftigte zweiter Klasse ersetzt werden“, so Kettner. Dabei sollten insbesondere die Betriebsräte „ein Wörtchen mitreden“ können.

In der NGG-Region Region Lüneburg (Landkreise Lüneburg, Harburg, Uelzen, Heidekreis, Rotenburg, Verden und Lüchow-Dannenberg) gab es nach Angaben der Gewerkschaft im vergangenen Jahr rund 5000 Leiharbeiter. Zehn Jahre zuvor waren es noch knapp die Hälfte. „Leiharbeiter machen dabei oft genau den gleichen Job wie die Stammbelegschaft – nur für weniger Geld. Außerdem haben sie meist weniger Urlaub, häufig keine Extra- Alterssicherung und müssen manchmal in der Werkskantine auch noch höhere Preise bezahlen“, kritisiert Kettner. Besonders in der Fleischindustrie und in der Ernährungswirtschaft sei Leiharbeit weit verbreitet. Auch im Heidekreis setzten viele Chefs mit „Billig-Jobs“ darauf, Tarif- und Sozialstandards zu umgehen.

Dieses Kalkül stecke ebenfalls hinter den Werkverträgen. Hier wird der Mitarbeiter für eine bestimmte Tätigkeit, ein Gewerk, bezahlt. Silke Kettner: „Auch hier gehört Missbrauch zum Alltag. Es ist eine schlechte Ausrede, wenn Firmen immer wieder mit flexiblen Arbeitskräften für wechselnde Auftragslagen argumentieren und diese in Wahrheit wie Stammpersonal einsetzen.“

Nach dem Vorschlag des Bundesarbeitsministeriums soll die Leiharbeit künftig auf maximal 18 Monate begrenzt werden. Bei Werkverträgen soll stärker überprüft werden, ob dahinter nicht tatsächlich ein normales Arbeitsverhältnis steckt. „Aber damit diese Kontrolle wirklich funktioniert, brauchen die Betriebsräte mehr Mitbestimmungsrechte. Sie müssen erkennen, ob ein Werkvertrag wirtschaftlich gerechtfertigt ist“, fordert die NGG-Geschäftsführerin. Ohne starke Arbeitnehmervertreter sei der Missbrauch von Leih- und Werkvertragsarbeitern nicht in den Griff zu bekommen.

Zum Einjährigen: Mindestlohn-Bilanz – 5.461 Beschäftigte mehr

Landkreise in unserer Region profitieren: Der „8,50-Euro-Daumen“ ist oben

Feiert Einjähriges: 8,50 Euro pro Stunde – das „Mindestlohn-Jahr 1“ ist um. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Lüneburg zieht dazu eine positive Bilanz.

Der „8,50-Euro-Daumen“ ist oben: Ein Jahr nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zieht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) eine positive Bilanz. „Zum ersten Mal haben alle Beschäftigten einen festen Lohnsockel unter den Füßen – von der Küchenhilfe bis zur Verkäuferin im Backshop: Wer arbeitet, muss dafür mindestens 8,50 Euro pro Stunde bekommen“, sagt Silke Kettner. Für die Geschäftsführerin der NGG Lüneburg ist der gesetzliche Mindestlohn der „Einstieg in den Lohn-Aufstieg für Menschen, die zuvor mit Niedrigstlöhnen abgespeist wurden

Vom „Schreckgespenst Mindestlohn“, vor dem die Arbeitgeber auch in den Lankreisen der Region (Lüneburg, Uelzen, Heidekreis, Lüchow-Dannenberg, Rotenburg, Verden und Harburg) noch vor einem Jahr gewarnt hätten, sei nichts übrig geblieben: Der Mindestlohn sei weder „Konjunktur-Bremser“ noch „gefährlicher Job-Killer“. Die NGG legte dazu jetzt eine aktuelle „Mindestlohn-Analyse“ vor, die das renommierte Pestel-Institut (Hannover) im Auftrag der Gewerkschaft gemacht hat.

Die Wissenschaftler werteten dabei die Beschäftigungssituation in der Landkreisen aus: „Anstatt Servicekräfte oder Küchenpersonal zu entlassen, haben Hotels, Pensionen, Restaurants und Gaststätten neue Kräfte eingestellt. Insgesamt arbeiteten dort im Juni vergangenen Jahres immerhin bis zu gut 8% mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte als noch im Vergleichsmonat des Vorjahres, als es den gesetzlichen Mindestlohn noch nicht gab“, sagt Kettner.

Nach Angaben der NGG Lüneburg hat der Mindestlohn zudem dazu geführt, dass etliche Arbeitgeber aus Mini-Jobs reguläre Stellen gemacht haben. Das gelte nicht nur für die Gastro-Branche. „Viele Mini-Jobs waren besonders schlecht bezahlt. Durch den Mindestlohn sind die Mini-Jobber dann über die 450-Euro-Grenze gerutscht. Und das sind jetzt sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Diese Menschen haben damit etwas Besseres als den Mini-Job. Das ist ein Riesenerfolg“, sagt Silke Kettner.

Die Arbeitslosigkeit habe im „Mindestlohn-Jahr 2015“ abgenommen: Seit dem letzten Dezember hat die Zahl der Arbeitslosen in den Landkreisen der Region um bis zu 8,1%abgenommen. Auch die Beschäftigtenzahl insgesamt habe sich mit dem gesetzlichen Mindestlohn positiv entwickelt: Im Sommer des vergangenen Jahres gab es in den genannten Landkreisen insgesamt 5.461 Menschen mehr, die einen Job hatten, als noch im Sommer des Vorjahres.

Dabei hat auch der Staat vom Mindestlohn profitiert. Er musste weniger Menschen unterstützen und sparte bei den Hartz-IV-Ausgaben. Denn die Zahl der Aufstocker ist zurückgegangen: „Im Juni vergangenen Jahres gab es in den Landkreisen 597 Aufstocker weniger – ein Rückgang von bis zu 9% gegenüber dem Vorjahresmonat. Diese Menschen können nun von ihrer Arbeit leben. Sie sind nicht länger auf die ‚Stütze vom Staat‘ angewiesen“, so Silke Kettner.

Diese Zahlen liefern für die Geschäftsführerin der Gewerkschaft NGG Lüneburg eine „klare Botschaft“: „Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde hat den Beschäftigten gut getan. Und er hat der Wirtschaft nicht geschadet.“ Im Gegenteil: Das Lohn-Plus habe dem Landkreis Harburg eine höhere Kaufkraft beschert, von der insbesondere auch die heimische Wirtschaft profitiert habe. „Denn Beschäftigte, die den gesetzlichen Mindestlohn bekommen, haben das zusätzlich verdiente Geld nahezu eins zu eins in den Konsum gegeben“, so Kettner.

Um diesen Menschen die Chance zu geben, auch Geld für größere Anschaffungen auf die hohe Kante zu legen, müsse der Mindestlohn allerdings steigen: „Unser Ziel ist es, ihn möglichst rasch in einem ersten Schritt auf 10 Euro pro Stunde anzuheben“, macht die Geschäftsführerin deutlich. Die NGG habe einen ganz wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland vor einem Jahr überhaupt eingeführt worden sei. Jetzt werde die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten ebenso hartnäckig daran arbeiten, ihn schrittweise „zu liften“

Für die NGG Lüneburg ist eine Erhöhung des Mindestlohns nur konsequent. Das zeige auch eine Renten-Berechnung des Bundesarbeitsministeriums: Um eine Rente von mindestens 769 Euro pro Monat – also gerade einmal die Grundsicherung im Alter – zu bekommen, müsse ein Beschäftigter immerhin mindestens 11,50 Euro pro Stunde verdienen. Und das 45 Jahre lang bei einer Vollzeitstelle. „Ein Leben lang arbeiten und dann doch nur ‚Alters-Hartz-IV‘ bekommen – das kann und das darf es nicht sein. Der gesetzliche Mindestlohn steckt noch in den Kinderschuhen. Aber wir werden ihn groß bekommen“, ist sich NGG-Geschäftsführerin Silke Kettner sicher.

NGG Lüneburg: Neue Tarife bei Coca Cola, in Süßwaren- und Brotindustrie

2015 war Lohn-Plus-Jahr für 13.000 Beschäftigte zwischen Elbe und Weser

Mehr Geld gab in diesem Jahr für 13.000 heimische Beschäftigte in mehreren Branchen der NGG – von Coca Cola bis zum Gastgewerbe. Bei Tarifverhandlungen habe man sich für die Mitarbeiter kräftig ins Zeug gelegt, sagt Silke Kettner von der NGG Lüneburg.

Die NGG Lüneburg zieht eine positive Jahresbilanz: Für rund 13.000 Beschäftigte im Nordosten Niedersachsens gab es 2015 ein deutliches Lohn-Plus. Durch neue Tarifabschlüsse in vielen Branchen haben die Mitarbeiter in der Ernährungsindustrie und im Gastgewerbe zwischen Weser und Elbe mehr Geld in der Tasche. So gibt es seit diesem Jahr 3,2 Prozent mehr bei Coca Cola – das sind je nach Entgeltgruppe zwischen 63 und 140 Euro im Monat oben drauf. Auch in der Süßwaren- und in der Milchindustrie können sich die Beschäftigten über einen deutlichen Zuschlag in der Lohntüte freuen, so die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Das Lohn-Plus kommt nicht von irgendwo. Wir haben uns bei den Tarifverhandlung für die Beschäftigten kräftig ins Zeug gelegt“, sagt Silke Kettner von der NGG Lüneburg. Besonders wichtig sei auch, dass man in der Stärkeindustrie neben einem Lohn-Plus auch neue Tarifverträge über Altersteilzeit durchsetzen konnte. Und für die Beschäftigten der ECP Deutschland (Gastronomie bei Center Parcs in Bispingen) wurde sogar erstmals eine tarifliche Lohnerhöhung erreicht. Die NGG-Geschäftsführerin zieht auch für die Mitarbeiter in der Brotindustrie ein positives Fazit. Mit 2,75 Prozent mehr konnten die Beschäftigten in den Standorten der Firma Harry-Brot überdurchschnittlich profitieren. „Freiwillig wollten die Arbeitgeber den Beschäftigten kaum eine nennenswerte Lohnerhöhung weitergeben. Das wissen natürlich die Beschäftigten. Und sie merken: Hier muss man zusammen einfordern, was einem zusteht. Ohne Gewerkschaft geht es eben doch nicht“, sagt Kettner.

NGG informiert Beschäftigte in der Region

Augen auf beim Weihnachtsgeld: kleines Einmaleins zum „Lohn Nr. 13“

Extra-Scheine unterm Tannenbaum sind kein „Almosen des Chefs“.

Aufgepasst beim Weihnachtsgeld: Arbeitnehmer sollen prüfen, ob ihnen ein Weihnachtsgeld zusteht – und ob es noch vor den Feiertagen auf dem Konto ist. Das empfiehlt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Dabei ist das Weihnachtsgeld meist kein „Almosen des Arbeitgebers“, sondern klar im Tarif- oder Arbeitsvertrag geregelt. Die NGG Lüneburg klärt die wichtigsten Fragen.

Steht jedem Arbeitnehmer ein Weihnachtsgeld zu?

Nein. Das Weihnachtsgeld ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, sondern meist eine tarifliche Leistung. Oder es ist gesondert im Arbeitsvertrag festgelegt. In Deutschland bekommen rund 54 Prozent der Arbeitnehmer ein Weihnachtsgeld, so eine Umfrage des Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung. Dabei haben Beschäftigte, die in einem tarifgebundenen Betrieb arbeiten, die deutlich besseren Karten: Im Schnitt 72 Prozent von ihnen erhalten ein Weihnachtsgeld. Ist der Arbeitgeber nicht an einen Tarifvertrag gebunden, kommen nur 42 Prozent in den Genuss der Extra-Zahlung.

Wie hoch ist das Weihnachtsgeld?

Hier lohnt ein genauer Blick in den Arbeits- oder Tarifvertrag. In der Regel hängt das Weihnachtsgeld vom Monatseinkommen ab. 100 Prozent sind es zum Beispiel in der niedersächsischen Süßwarenindustrie, in der Obst und Gemüse verarbeitenden und in der Zuckerindustrie. Auch im Heidekreis bekommen die Beschäftigten in diesen Branchen also einen vollen 13. Monatslohn. Ein Weihnachtsgeld ist übrigens in allen Tarifverträgen der NGG festgelegt – vom Gastgewerbe bis zur Milchwirtschaft.

Was ist mit dem Mindestlohn? Wie sieht es bei Mini-Jobs aus?

Wer 8,50 Euro pro Stunde verdient und Weihnachtsgeld bekommt, bei dem darf dieses nicht vom Lohn abgezogen werden. Denn der gesetzliche Mindestlohn darf nicht mit einer jährlichen Sonderzahlung wie dem Weihnachts- oder Urlaubsgeld verrechnet werden. Das hat das Arbeitsgericht Berlin klargestellt (Az. 54 Ca 14420/14). Und auch Mini-Jobber haben Anspruch auf das Weihnachtsgeld, wenn es den Vollzeit-Beschäftigten im selben Betrieb zusteht. Je nach Wochenarbeitszeit wird das Weihnachtsgeld dann anteilig berechnet.

Was tun, wenn der Chef trotzdem nicht zahlt?

Hier hilft ein Anruf bei der Rechtsberatung der zuständigen Gewerkschaft. Auch die Rechtsberater NGG Lüneburg prüfen, ob ein Anspruch besteht – und bringen die Fälle notfalls vor Gericht.

NGG Lüneburg: Hetze gegen Flüchtlinge darf keine Chance haben

Azubis und Berufsschüler können Anti-Diskriminierungs-Preis holen

„Rassismus, nein danke!“ – die NGG ruft die heimischen Azubis und Berufsschüler auf, beim Wettbewerb „Gelbe Hand – Mach meinen Kumpel nicht an!“ (www.gelbehand.de) mitzumachen.

Keine Chance für Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus: Azubis und Berufsschüler, die sich gegen Diskriminierung einsetzen, sollen beim Wettbewerb „Gelbe Hand“ mitmachen. Dazu ruft die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auf. Unter dem Motto „Mach meinen Kumpel nicht an!“ sind Projekte gesucht, die sich für ein solidarisches Miteinander im Job stark machen.

Dabei stehe die „Gelbe Hand“ in diesem Jahr unter besonderen Vorzeichen, so Silke Kettner. „In den letzten Monaten sind im Land viele Flüchtlinge angekommen. Oft sind sie genauso alt wie die Azubis – und damit die Kollegen von morgen“, sagt die Geschäftsführerin der NGG Lüneburg. Es sei daher wichtiger denn je, Rassisten den Boden zu entziehen. Notwendig sei gerade auch im Job eine „echte Willkommenskultur“ für Menschen aus anderen Ländern. „Darin sind besonders die Lehrlinge im Gastgewerbe Experten“, betont die Gewerkschafterin.

2015 findet der Wettbewerb „Gelbe Hand“ bereits zum zehnten Mal statt. Bewerben können sich Azubis, Berufsschüler und junge Gewerkschafter, die ein eigenes Projekt gegen Diskriminierung auf die Beine gestellt haben. „Ob Video-Spot, Plakat, Reportage oder Aktion auf dem Marktplatz – alle Formate sind willkommen. Wichtig sind eine originelle Idee und Zivilcourage am Arbeitsplatz“, sagt Silke Kettner. Zu gewinnen gibt es Preisgelder von insgesamt 1.800 Euro. Einsendeschluss ist der 15. Januar 2016. Alle Infos unter: www.gelbehand.de.

 

 

 

 

 

 

 

Online-Portal klärt offene Fragen rund um Lehre

Neues Ausbildungsjahr: „Dr. Azubi“ berät Berufsanfänger im Kreis Verden

Von A wie Ausbildungsvertrag bis Z wie Zeugnis. Alle Fragen rund um die Ausbildung beantwortet „Dr. Azubi“. Der Service unter www.dr-azubi.de ist kostenlos.

Guter Rat ist teuer – nicht bei „Dr. Azubi“: Das Online-Portal (www.dr-azubi.de) gibt Berufsstartern alle wichtigen Infos rund um die Ausbildung, und zwar umsonst. Zum neuen Ausbildungsjahr ist die Plattform wieder besonders gefragt. Jeder Auszubildende kann seine persönliche Frage an den „Lehrstellen-Doc“ stellen und bekommt schnelle und fachkundige Antwort. Darauf macht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufmerksam.„Viele Azubis haben am Anfang mehr Fragen als Antworten. Wie lang dauert die Probezeit? Muss ich Überstunden machen? Welche Vergütung steht mir zu? ‚Dr. Azubi‘ weiß hier genau Bescheid“, sagt Manuela Schäffer. Für die Gewerkschaftssekretärin der NGG Lüneburg ist das Portal mehr als ein normaler Online-Ratgeber. „Experten der jeweiligen Gewerkschaft gucken sich jeden Fall genau an und geben handfeste Tipps. Denn sie kennen die rechtlichen Grundlagen – vom Arbeitszeitgesetz bis zum Kündigungsschutz“, so Schäffer.In manchen Betrieben sei es gang und gäbe, dass Auszubildende als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden. Oft fehle ein klarer Ausbildungsplan, und Azubis müssten für fachfremde Arbeiten herhalten. „Das ist aber nicht der Sinn der Ausbildung. Die Leute sollen ihr Handwerk lernen und nicht nur nach der Pfeife des Chefs tanzen“, sagt Manuela Schäffer. Genau hier greife der Rat von „Dr. Azubi“. Die Online-Sprechstunde der DGB-Jugend ist rund um die Uhr erreichbar. Eine Antwort gibt es in der Regel schon am nächsten Tag. „Von A wie Ausbildungsvertrag bis Z wie Zeugnis – wer sich über seine Rechte informieren will, ist bei Dr. Azubi genau richtig. Aber auch, wer Frust in der Ausbildung hat und seinem Ärger Luft machen will“, betont Schäffer. Die Gewerkschafterin rät den Azubis, einfach mal drauf zu klicken und sich schlau zu machen.

 

NGG Lüneburg lädt zu Jubiläumsfeier am 12. September 2015

Vom Tabak-Arbeiter zum Milchtechnologen:

Von den ersten Treffen der Verdener Zigarrendreher im 19. Jahrhundert bis zum Warnstreik bei Coca-Cola in Lüneburg: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten blickt auf eine wechselvolle Geschichte zwischen Weser und Elbe zurück. In diesem Jahr wird die älteste Gewerkschaft Deutschlands 150. Das will die NGG Lüneburg am kommenden Samstag [f. d. Red.: 12. September] in Bienenbüttel feiern. „Ob in der Milchwirtschaft, in der Süßwarenindustrie oder im Gastgewerbe – für die heimischen Beschäftigten haben sich die Arbeitsbedingungen in 150 Jahren enorm verbessert. Trotzdem bleibt noch viel zu tun“, sagt Silke Kettner.

 

Die Geschäftsführerin der NGG Lüneburg ist sicher: „Nur eine starke Gewerkschaft sichert auch gute Arbeitsplätze in der Region. Zum Beispiel in der Nestlé Schöller-Eisfabrik in Uelzen. Hier wollten die Arbeitgeber 2007 aus dem Tarifvertrag aussteigen. Eine starke Belegschaft hat das verhindert – und Lohnerhöhungen durchgesetzt.“ Auch die heutige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sei Arbeitskämpfen in der Süßwarenindustrie zu verdanken, die die NGG auch in Niedersachsen organisiert hat.

 

„Einer der größten Erfolge ist der gesetzliche Mindestlohn, von dem tausende Beschäftigte in der Region profitieren und den es ohne uns so nicht geben würde“, sagt Kettner. Aber in der Gastronomie fehle vielen noch der Mut, sich gegen Missstände einzusetzen – oft aus Angst um den eigenen Arbeitsplatz. Für sie setze sich die NGG ein: „Die Arbeitnehmer in Hotels und Restaurants können auf uns zählen“, so die Gewerkschafterin.

 

Dabei will die NGG Lüneburg auch wissen, was die Menschen in der Heide und Umgebung unter Nahrung und Genuss verstehen: „Alle (Hobby-)Köche sind eingeladen, ihr Lieblingsrezept aus der Region mitzubringen. Egal ob salzig oder süß, deftig oder leicht – jede Speise ist willkommen“, sagt Kettner. Die mitgebrachten Rezepte nehmen an einer Verlosung teil. Zu gewinnen gibt es einen Überraschungspreis. Außerdem haben die Rezepte die Chance auf den Abdruck in der „Bundes-Genuss-Karte“ der NGG.

 

 

Alte Familien-Rezepte für „Bundes-Genuss-Karte“

„Geschmacksprobe“ aus der Region gesucht

Das „Gelbe vom Ei“ der heimischen Küche wird gesucht: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) startet dazu jetzt einen Rezept-Aufruf.

Einfach guten Geschmack aus unserer Region dazugeben – zur „Bundes-Genuss-Karte“: Gesucht werden alte Familien-Rezepte. „Typische Gerichte aus der heimischen Küche sollen auf einer ‚kulinarischen Deutschland-Rezept-Landkarte’ präsentiert werden. Dazu brauchen wir traditionelle Rezepte aus unserer – gern mit Raffinesse und individueller Note“, sagt Silke Kettner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

                  

Die NGG Lüneburg hat für die Rezeptsammlung einen guten Grund: Die „Genuss-Gewerkschaft“ wird in diesem Jahr 150 Jahre alt (www.ngg.net/150). In ihrem Jubiläumsjahr will sie die heimischen Lieblingsgerichte zusammen mit anderen regionalen Spezialitäten als „Bundes-Genuss-Karte“ und in einem NGG-Jubiläums-Kochbuch präsentieren. Dazu sammelt die NGG Lüneburg jetzt das, was den Geschmacksnerv der Menschen in der Region trifft – von süß bis salzig, von leicht bis deftig.

 

Egal, woher das Rezept kommt – ob vom Zettel in der Küchenschublade oder aus dem alten Familienkochbuch vom Dachboden: Die NGG möchte wissen, was die Region der ältesten Gewerkschaft Deutschlands zum Hundertfünfzigsten serviert. Alle Zutaten und auch die Tricks, mit denen das Gericht am besten gelingt, sollten verraten und an die „NGG-Rezept-Box“ geschickt werden: hv.presse@ngg.net (Stichwort: „Rezept“). Oder per Post an die Gewerkschaft Nahrung-Genuss Gaststätten (NGG-Hauptstadtbüro, Luisenstraße 38, 10117 Berlin).

 

„Die ‚Rezept-Paten‘ sollten ihrem Gericht einen passenden Namen geben, der Lust aufs Nachkochen oder -backen macht: Das Essen ganz einfach so nennen, wie es zu Hause auf den Tisch kommt“, so Silke Kettner. „Rezept-Annahmeschluss“ ist der 30. September 2015. Die NGG wird die „Rezept-Paten“ zu jedem Gericht nennen. Wer dies möchte, sollte deshalb auch seinen Namen mit angeben.

 

„Wir sind gespannt, was der Kreis Lüneburg auftischt“, sagt Silke Kettner. Die politische Prominenz habe übrigens schon einmal „vorgekocht“: Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), der Patienten-Beauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne), Sahra Wagenknecht von der Fraktionsspitze der Linken … – Polit-Promis aller Fraktionen im Deutschen Bundestag haben schon verraten, was ihnen besonders schmeckt.

 

Seniorengruppe Lüneburg

Wir trauern um Heinrich Probst

Unser Kollege Heinrich Probst ist am 24. Juli 2015 nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Heinrich hat über lange Jahre die Seniorengruppe Lüneburg mit großem Engagement und viel Herz geleitet. Wir sind sehr traurig und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Urlaubsgeld und Mindestlohn

Aufgepasst!

Gerichtsurteil: Urlaubsgeld darf nicht vom Mindestlohn abgezogen werden

Beschäftigte sollen nicht in die Urlaubsgeld-Falle tappen:

Wer 8,50 Euro in der Stunde verdient und Urlaubsgeld bekommt, bei dem darf dieses nicht mit dem Lohn verrechnet werden. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hin. Die NGG Lüneburg bezieht sich dabei auf ein aktuelles Arbeitsgerichts-Urteil. Dieses stellt klar: Eine jährliche Sonderzahlung wie das Urlaubs- oder Weihnachtsgeld darf nicht vom gesetzlichen Mindestlohn abgezogen werden.

 

„Damit wird denjenigen Chefs ein Strich durch die Rechnung gemacht, die den Lohn von 8,50 Euro pro Stunde umgehen wollen“, sagt Manuela Schäffer von der NGG Lüneburg. Die gesetzliche Lohn-Untergrenze gelte uneingeschränkt und könne nicht durch die Hintertür ausgehebelt werden, betont die Gewerkschaftssekretärin. Der Mindestlohn sei das „unmittelbare Entgelt“ für die geleistete Arbeit. Er dürfe unter keinen Umständen mit anderen Leistungen verrechnet werden, so ein Urteil des Arbeitsgerichts Berlin (Az. 54 Ca 14420/14). „Weniger als 8,50 Euro zahlen, nur weil es jetzt ein zusätzliches Urlaubsgeld gibt – das geht gar nicht“, so Schäffer. Betroffenen rät die NGG, sich an die Rechtsberatung ihrer Gewerkschaft zu wenden.

 

Newsletter

Das Jahr geht zu Ende - Zeit für den neuen Newsletter!

Alarmierende Tendenz

Deutlich mehr als 40% der Beschäftigten in unsicheren Jobs!

Unsichere Jobs werden immer mehr zum „Normalfall“. Im vergangenen Jahr arbeiteten im Durchschnitt deutlich mehr als 4o Prozent der Beschäftigten in unserer Region in Teilzeit- und Mini-Jobs oder hatten ein Leiharbeitsverhältnis. Vor zehn Jahren lag der Anteil der sogenannten „atypisch Beschäftigten“ dagegen noch bei gut 30 Prozent. Dies geht aus einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor, die den Arbeitsmarkt unter die Lupe genommen hat.

 

Für die NGG ist diese Tendenz „alarmierend“: „Wenn mittlerweile so viele Menschen keinen stabilen Arbeitsplatz haben, zeigt das die Schieflage auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Silke Kettner von der NGG Lüneburg. Gerade Mini-Jobs hätten zugenommen. Im Bäckerhandwerk und in der Gastronomie seien diese besonders verbreitet – auf Kosten von regulärer Beschäftigung. „450 Euro reichen aber meist nicht zum Leben. Deshalb müssen viele Menschen mehrere Mini-Jobs machen, oft ohne Sicherheit und in der Angst, die Stelle schnell wieder zu verlieren“, so Kettner. Die Gewerkschafterin warnt: „Wackelige Jobs heute sind die Altersarmut von morgen.“

 

Auf den ersten Blick gehe es Deutschland wirtschaftlich gut. Beim genauen Hinsehen würden sich hinter den hohen Beschäftigungszahlen aber viele unsichere Jobs verbergen, so die NGG-Geschäftsführerin. „Unbefristete Vollzeit-Stellen sind heute zur Ausnahme geworden, gerade für Berufsanfänger“, sagt Kettner. Die NGG fordert die Arbeitgeber, wieder „mehr reguläre und tariflich bezahlte Jobs“ zu schaffen. „Der seit Januar geltende gesetzliche Mindestlohn, für den sich die NGG seit Jahren eingesetzt hat, ist dabei eine feste Untergrenze. Durch den Mindestlohn haben viele Beschäftigte erstmals die nötige finanzielle Sicherheit“, so Silke Kettner. Daran dürfe nicht nachträglich gerüttelt werden.

 

„Manchmal kann es für Mini-Jobs und Teilzeit auch gute Gründe geben. Zum Beispiel machen sie Sinn für Rentner oder Studenten, die sich ein bisschen dazu verdienen wollen“, sagt die NGG-Geschäftsführerin. Zum echten Problem werde irreguläre Beschäftigung aber dann, wenn Vollzeit-Stellen abgeschafft werden – „und sich der Kellner oder die Verkäuferin in der Bäckerei ihr Monatseinkommen zusammenstückeln müssen“, so Kettner.

Schulabgänger auf den Geschmack bringen: Jobs, die satt machen

Die Lebensmittelbranche lockt mit einem breiten Berufsspektrum – vom Lebensmitteltechniker über den Maschinen- und Anlagenführer bis zum Laboranten und der Fachkraft für Speiseeis, so die Gewerkschaft NGG.

Vom Molkereitechniker über den Fleischer bis zur Lebensmittellaborantin – rund 2.700 Menschen arbeiten alleine im Kreis Lüneburg in der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln. Die Ernährungsindustrie ist damit nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region. Sie bietet auch gute berufliche Perspektiven für Jugendliche. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hin.

Mit Blick auf das neue Ausbildungsjahr, das im August startet, rät die NGG Lüneburg Schulabgängern, sich über eine Ausbildung in der Lebensmittelindustrie schlau zu machen. Azubis verdienen hier oft mehr als in anderen Bereichen. So bekommt ein angehender Lebensmitteltechniker in der Süßwarenindustrie 710 Euro im ersten und 991 Euro im dritten Lehrjahr. Und nach der Ausbildung haben Azubis beste Chancen, vom Betrieb übernommen zu werden“, sagt Silke Kettner.

Die Geschäftsführerin der NGG Lüneburg empfiehlt, einen Blick auf die Job-Palette in der Lebensmittelindustrie zu werfen. „Gerade wer mobil ist, findet in der Branche viele anspruchsvolle Ausbildungsberufe – vom Mechatroniker in der Getränkeherstellung bis zum Laboranten in der Milchwirtschaft“, so Silke Kettner. Ein besonderer Vorteil sei das überbetriebliche Know-How: „So lernt ein Azubi in der Backindustrie nicht nur etwas über Brot und Backwaren. Er kann durch seine Kenntnisse später auch mit Fleisch, Getränken und Süßwaren arbeiten. Und auf der Karriere-Leiter kann er es bis zum Industriemeister bringen“, so Kettner.

In der Lebensmittelindustrie habe die NGG in den vergangenen Jahren bei den Arbeitsbedingungen und beim Verdienst viel für die Beschäftigten erreicht. „Die Jobs sind eindeutig attraktiver geworden. Und in der Lebensmittelindustrie wird es nie langweilig: Neue Produkte, neue Prozesstechnik, neue Verpackungen – die Lebensmittelbranche lebt ständig von innovativen Ideen“, sagt Silke Kettner.

Das gelte auch für die Berufe: „Wer einen süßen Start ins Berufsleben sucht, kann sich jetzt sogar zur Fachkraft für Speiseeis ausbilden lassen. Drei Jahre dauert die Ausbildung. Der Azubi kreiert und probiert dabei nicht nur exotische Eissorten, sondern bekommt auch kaufmännisches Know-How. Er lernt im Verkauf und Service“, so die NGG-Geschäftsführerin. Der „Eismach-Job“ sei eine „süße Nische“. Aber auch die gehöre zur Lebensmittelherstellung. Wer sich in der Branche orientieren und auf Ausbildungsplatzsuche gehen will, kann dies zum Beispiel auf der „Azubi-Börse“ der Arbeitsagentur tun: www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

 

Im Mai droht Gastro-Beschäftigten "Überstunden-Marathon"

NGG schlägt „Gastronomie-Alarm“: 30 Umsonst-Überstunden pro Monat

Die Gewerkschaft NGG Lüneburg beklagt: „Wirte tun so, als wäre es völlig normal, ein paar Stunden extra dranzuhängen – für umsonst, versteht sich.“

Vom Koch bis zum Kellner: Die Teil- und Vollzeitkräfte in Hotels, Restaurants und Gaststätten schieben einen enormen „Überstunden-Berg“ vor sich her. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hingewiesen. „Wer in der Küche arbeitet oder Gäste bedient, der macht häufig am laufenden Band Mehrarbeit. Aber viel zu wenige bekommen dafür auch nur einen Euro extra oder zumindest einen Zeitausgleich“, sagt Silke Kettner.

Die Geschäftsführerin der NGG Lüneburg beklagt, dass „Umsonst-Überstunden“ in Hotels und Gaststätten eher die Regel als die Ausnahme sind. Aus einer 8-Stunden-Schicht würden schnell zehn oder zwölf Stunden am Herd, an der Theke oder im Biergarten. „Selbst 14-Stunden-Schichten gibt es immer wieder, obwohl maximal 10 Stunden am Stück erlaubt sind. Unterm Strich leisten viele der Vollzeit-Beschäftigten in der Gastro-Branche im Landkreis Lüneburg dreißig bis vierzig Überstunden pro Monat – ohne das in der Lohntüte oder auf dem Stundenkonto zu merken“, so Kettner.

Besonders schlimm sei es an Wochenenden und Feiertagen. So stehe der Gastronomie am Pfingstwochenende ein „wahrer Mehrarbeits-Marathon“ bevor. Insgesamt sei der Mai mit seinen vielen Feiertagen ein „heftiger Überstunden-Monat“. Das bekämen ebenso die Mini-Jobber zu spüren, die im Hotel- und Gaststättengewerbe arbeiteten. Auch sie klopften fleißig Überstunden. „Meistens unbezahlt, versteht sich. Das liegt daran, dass Arbeitgeber – vom Hotel-Chef bis zum Gastwirt – so tun, als wäre es völlig normal und selbstverständlich, ein paar Stunden für umsonst dranzuhängen“, sagt NGG-Geschäftsführerin Silke Kettner. Auch bei Azubis würde kaum Rücksicht genommen.

Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz seien in der Branche seit langem gang und gäbe. Eigentlich hätten die Arbeitszeiten schon immer dokumentiert werden müssen. Doch jetzt werde es durch das Mindestlohngesetz richtig ernst: „Wer eine Küchenhilfe oder ein Serviceteam im Biergarten für sich arbeiten lässt, muss die geleisteten Stunden aufschreiben – und damit auch jede Überstunde. Passiert das nicht, macht sich der Arbeitgeber strafbar. Jeder Gastwirt muss jetzt damit rechnen, dass die Dokumentation der Arbeitszeiten vom Zoll kontrolliert wird. Genau das passt vielen Chefs natürlich ganz und gar nicht“, sagt Silke Kettner.

Kein Gastwirt müsse seine Gäste um Mitternacht nach Hause schicken, um Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz zu vermeiden. „Jedes Brautpaar kann seine Hochzeit bis tief in die Nacht weiterfeiern. Der Wirt muss nur bereit sein, einen vernünftigen Schichtplan zu machen. Das ist schon deswegen sinnvoll, damit weder Koch noch Kellnerin am Ende kaputter sind als die Gäste“, sagt die Geschäftsführerin der NGG Lüneburg. Immerhin beginne das Personal bei einer Hochzeitsfeier schon am Vormittag mit den Vorbereitungen. „Irgendwann ist die Luft dann raus“, so Silke Kettner. Zudem sei es notwendig, dass der Wirt geleistete Überstunden auch bezahle.

Die NGG Lüneburg rät allen Gastro-Beschäftigten, ihre Überstunden aufzuschreiben, um diese gegenüber dem Chef nachweisen zu können. Das sei ebenso simpel wie nützlich und habe mit Bürokratie absolut nichts zu tun. „Der Beginn und das Ende der Arbeitszeit sollten notiert werden. Ebenso die Pausen. Wer dann Schwierigkeiten hat, den Lohn für geleistete Mehrarbeit einzufordern, sollte sich an seine Gewerkschaft wenden“, so Kettner. Die NGG Lüneburg bietet hier Rat und Hilfe an. Die NGG-Geschäftsstelle in Lüneburg ist unter der Rufnummer 041 31/ 421 46 zu erreichen.

Mitglied werden

Jetzt Online Mitglied werden!

Dr. Azubi

Stress in der Ausbildung?
Dr. Azubi hilft!

©  Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)  |  wegewerk> wwEdit CMS 3.5

Aus urheberrechtlichen Gründen ist der Download dieses Bildes nicht möglich.